Aus aktuellem Anlass….

Der linke und antifaschistische Rapper Pavlos Fissas wurde am vergangenen Mittwoch von den Schlägern von Chrysi Avgi ermordet. Wir wollen auf diesem Wege den kämpfenden GenossInnen in Griechenland und den Angehörigen unser Beileid und unsere Solidarität ausdrücken!

Gleichzeitig wollen wir erneut darauf hinweisen, dass wir es hier nicht mit einem Einzelfall zu tun haben; dass die Gewalt der Neo-FaschistInnen, ihr Terror auf der Straße, spätestens seit dem Sommer 2012 außerordentlich bedrohliche Züge annahm. Bereits vergangenes Jahr begannen sie damit, organisiert in den Straßen zu wüten; dutzende illegalisierte und obdachlose Menschen sind seither Opfer der brutalen und hinterhältigen Übergriffe geworden, einige davon starben bereits an den Folgen. Erst mit dem Mord an Shehzdad Luqman im Januar 2013 durch 2 Neo-Faschisten schaltete sich die griechische Öffentlichkeit ein. Die Brutalität der Neo-FaschistInnen ist also keine neue Qualität. Auch Mordversuche an Linken nicht; so wurden in der Vergangenheit mehrmals anarchistische Hausprojekte und soziale Zentren mit Unterstützung von Polizeieinheiten angegriffen. Das inzwischen geräumte Skaramanga in Athen wurde mehrmals gezielt mit Molotow-Cocktails attackiert.

Fakt ist, dass der griechische Staat bis zu diesem Zeitpunkt das Treiben der Neo-FaschistInnen nicht nur toleriert, sondern aktiv befördert hat. Ein Großteil der Polizeieinheiten sympathisiert offen mit Chrysi Avgi, auf Demonstrationen arbeiten sie zusammen gegen linke DemonstrantInnen. Mitglieder der Partei fungierten als StreikbrecherInnen bei den (nach dem alten Militär-Junta-Gesetz!) inzwischen verbotenen Generalstreiks. Mit der rassistischen Polizeioperation ,,Xenios Zeus'‘ setzte die noch amtierende griechische Regierung (PASOK, ND; damals auch noch DIMAR) einen Plan der rechtspopulistischen bis offen faschistischen LAOS-Partei um; mehrere tausend Menschen wurden im Zuge dessen in Lager interniert; auch hier halfen die Neo-FaschistInnen von Chrysi Avgi eifrig mit. Die Herrschenden in Griechenland wissen, was sie von ihren Handlangern haben: Sie besorgen die Drecksarbeit, die man sich aufgrund seiner wackligen Stellung in der EU nicht leisten kann.

So ist auch nicht zu erwarten, dass die Partei in nächster Zeit verboten wird; daran besteht bei einem Großteil der Herrschenden schlicht kein Interesse. Chrysi Avgi lenkt mit ihrer sozialen Demagogie den vorhandenen Alltagsrassismus und die Empörung über die aufoktroierten Sparmaßnahmen gegen jene, die ohnehin am schwersten von der Krise betroffen sind und erweist sich damit als schlagkräftigste VerteidigerIn des Bestehenden. Der Ruf nach dem Rechtsstaat, wie ihn die PASOK betreibt, ist vor diesem Hintergrund ein schlechter Scherz; dieser schafft sich bekanntlich immer dann zugunsten autoritärer und faschistischer Herrschaft ab, wenn es ein nicht unerhebliches Potenzial zum Sturz der herrschenden Ordnung gibt.

In diesem Sinne:
Den Antifaschistischen Selbstschutz organisieren!
Solidarität mit dem antifaschistischen Kampf in Griechenland!

Mehr Infos und Newswires bei den GenossInnen von
-> ContraInfo
-> Occupied London

Ein paar letzte Worte…

Vergangenes Wochenende haben wir in München unsere letzte Veranstaltung gehabt und werden das Projekt nun zu seinem (vorläufigen) Ende kommen lassen. Rückblickend waren wir sehr überrascht, auf wieviel Interesse das Thema bundesweit sties. Die Veranstaltungen waren überwiegend gut besucht, die Diskussionen konstruktiv, die Nachfragen interessiert. Wir können festhalten, dass es vielen Menschen nach wie vor ein Bedürfnis ist, über internationale antifaschistische Themen ins Gespräch zu kommen und wir hoffen, einen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass antifaschistischer Internationalismus, gerade aber auch Ideen zur konkreten internationalen Solidarität mit den GenossInnen in Griechenland, im Gespräch sind.

Dank der Unterstützung durch die Gruppen konnten wir darüber hinaus, neben der symbolischen Solidarität durch den Vortrag, genug Geld sammeln, um den GenossInnen in Griechenland etwas zukommen zu lassen. Wir gedenken, das Geld der Anti-Repressionsarbeit der inhaftierten und gefolterten GenossInnen der antifaschistischen Motorrad-Demonstration/Athen vergangenes Jahr zukommen zu lassen. Vielen Dank auch hierfür an alle Gruppen, die es uns ermöglicht haben, den Vortrag in ihren Städten zu halten!

Für Nachfragen und Anfragen stehen wir natürlich weiterhin zur Verfügung.

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Antifa Griechenland

Der Kampf geht weiter II….

Ein kleiner Überblick über Antifa Aktivitäten in den vergangenen Wochen:

Athen 07.06.
In Plateia Kaniggos, im Stadtzentrum von Athen, wurde eine Demonstration von der Antifa-Versammlung Autonome Antifa durchgeführt. Die Demonstration richtete sich gegen die Auffanglager, in die illegalisierte Menschen landesweit durch die Polizeioperation Xenios Zeus interniert wurden. Bilder von der Demonstration finden sich hier. Außerdem wurde die Demonstration auf Video aufgezeichnet:



Athen 18.06.

Die Neo-Faschisten von Chysi Avgi riefen zu einer Motorraddemo in den Vororten von Athen auf. Es fanden sich 30 der Neo-Faschisten auf 20 Motorrädern ein, die von 4 Bullen der Delta Einheiten beschützt wurde. Die Demonstration wurde von AntifaschistInnen bemerkt und unverzüglich angegriffen. Es kam zu Auseinandersetzungen mit den Neo-Faschisten und den Bullen; 5 der Neo-Faschisten kamen ins Krankenhaus, der Rest musste sichtbar lediert abziehen. Die GenossInnen konnten dem Zugriff der Bullen entfliehen. Später am Tag nahmen die Bullen noch kurzzeitig 7 Personen aus dem Viertel fest, mussten sie aber aus Mangel an Beweisen wieder laufen lassen.

Athen 20.06.
Erneut wurde eine antifaschistische Motorraddemo von den GenossInnen der Antifaschistischen Front durchgeführt. Rund 250 Motorräder zogen durch die Viertel Athens, bejubelt von AnwohnerInnen. Ein Video der Aktion findet sich hier:

,,Don‘t mess with black people!'‘

Kürzlich ist bekannt geworden, dass sich eine Gruppe von rassistischer Gewalt betroffener ImmigrantInnen unter dem Label ,,Black Panthers'‘ zu einer Selbsthilfe- und Schutzgruppe zusammengeschlossen haben. Die Gruppe patroliert ein besonders von rassistischen Übergriffen betroffenes Viertel und dokumentiert die Aktivitäten neo-faschistischer Gruppen und Einzelpersonen. In folgendem Beitrag kommt ein Mitglied der Gruppe zu Wort und schildert seine Erfahrungen im Kampf gegen die Neo-FaschistInnen:

Geld oder Leben…

Wir dokumentieren nachfolgen den Artikel Die Ära der Postdemokratie aus der Jungen Welt (jW): Der Artikel skizziert am Beispiel Zyperns und Griechenlands, wie nationale, formal demokratische Institutionen zunehmend zugunsten einer technokratischen und autoritären Troika an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig schüren die Regierungen der betroffenen Länder Rassismus und Nationalismus bei gleichzeitigem Abbau von sozialen Rechten und zunehmender Repression,um ihre jeweilige Bevölkerung bei der Stange halten:

Griechenland, die »erste Kolonie der Euro-Zone«.Seit spätestens 2009 hat das griechische Parlament ein Budgetrecht höchstens noch in dem Sinne, in dem man während eines Raubüberfalls die Freiheit hat, zwischen Geld und Leben zu wählen. Das Geschäft funktioniert, seit Hellas sich keine Mittel mehr auf den Finanzmärkten besorgen konnte, folgendermaßen: Im Austausch für Kredite der anderen Euro-Länder muß Athen Austeritätsmaßnahmen durchsetzen, die in ihrer zerstörerischen Tragweite nahezu präzedenzlos sind. (weiter…)