Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Into the Fire: The Hidden Victims of Austerity in Greece

Die Kurz-Dokumentation Into the Fire behandelt den rassistischen und repressiven Alltag auf Griechenlands Straßen während der Krise. Thematisiert werden neben den unmenschlichen Lebensbedingungen für illegalisierte Menschen, auch der Rassismus der griechischen Mainstream-Politik, der Neo-Faschisten von Chrysi Avgi und des Staatsapparats und deren enges Verhältnis zueinander:

Rasisstischer Terror gegen ArbeiterInnen

Etwa 200 migrantische ArbeiterInnen demonstrierten am 17.04. für die Auszahlung ihrer Löhne, die ihnen seit mindestens sechs Monaten von dem Großgrundbesitzer vorenthalten wurden. Laut Zeit Online werden die ArbeiterInnen bei einem Tageslohn von sechs Euro ausgebeutet. Die Lohneinforderungen belaufen sich laut lokalen Medien auf insgesamt ca. 150.000 Euro.

Als Reaktion auf den Protest ließ der Plantagenbesitzer drei Vorarbeiter in die demonstrierende Menge schießen. Dabei wurden mindestens 34 ArbeiterInnen verletzt und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, fünf davon befinden sich weiterhin im kritischen Zustand. Dass es sich bei bei diesem Massaker nicht um einen Einzelfall handelt zeigen die Übergriffe aus den Vorjahren. So wurden 2009 zwei migrantische Arbeiter von Bauern schwerstens Mishandelt und auch 2012 kam es zur öffentlichen Folter an einem Arbeiter durch zwei Griechen. Die Unterstützung der rassistische Gewalt des Kapitals zieht weite Kreise bis hinein in die sogenannte Mitte der Gesellschaft – so verhaftete die Polizei mittlerweile einen Einwohner, der den Tätern Unterschlupf gewährte.

Doch auch der Staat ist involviert: Lange schon ist die Situation bekannt. Bereits 2008 kam es bei Streiks gegen die miserablen Löhne und Arbeitsbedingungen zu Übergriffen durch Polizei und Sicherheitskräften der Großgrundbesitzer. Und auch die Ausbeutung Illegalisierter ist kein Geheimnis – die Reaktion des Staates: Vier der verletzten ArbeiterInnen sollen nun abgeschoben werden.


At least 34 Bangladeshi workers ended up in the hospital after they were shot by land caretakers in the strawberry fields in Nea Manolada, Ilia. Dozens of angry foreign workers who were unpaid for at least six months had gathered demanding to be paid for their work. Instead they were shot by the business’s caretakers.

Mehr dazu findet ihr hier, hier, hier und hier.

Staatliche Anti-Antifa: Der Shutdown von Indymedia Athen

Nachdem der griechische Staat in den vergangenen Monaten mehrere soziale Zentren der antiautoritären Bewegung angegriffen und geräumt hat, geht der Staat nun repressiver gegen die Kommunikationsnetzwerke vor: Zuletzt wurde am 11.04. nicht nur Indymedia Athen, eines der wichtigsten Kommunikationsnetzwerke der antiautoritären aber auch der Antifa-Bewegung, sondern auch die widerständigen Sender Radio 98FM und Radio Entasi abgeschaltet. Neben der offenen und aggressiven Kumpanei von Staat und Neo-Faschisten transformiert sich der neoliberale griechische Staat zunehmend autoritär: Der Ausbau des Repressionsapperats, z.B. durch Einsatz privater Sicherheitsfirmen (Blackwater), und die brachiale Kürzungspolitik, die de facto jetzt bereits die sozialen Rechte der Menschen untergräbt, gehen einher mit einer Offensive gegen Grund- und Menschenrechte zahlreicher Menschengruppen (ImmigrantInnen, Junkies und andere Menschen am unteren Rand der Gesellschaft).

Angesichts der Tatsache, dass Teile des griechischen Staates offen mit den Neo-Faschisten von Chrysi Avgi gegen Linke, Antiautoritäre und ImmigrantInnen zusammenarbeiten, der andere Teil des Staates zunehmend offen rassistisch (Xenios Zeus) und autoritär gegen die Menschen im Land vorgeht und antifaschistische Praxis kriminalisiert, kann hier klar von einer weiteren staatlichen Anti-Antifa-Aktion gesprochen werden. Währenddessen können sich die Neo-Faschisten von Chysi Avgi in den Massenmedien mit ihrer menschenverachtenden Agenda präsentieren, öffentlich gewalttätige Übergriffe mit vernachlässigbaren strafrechtlichen Konsequenzen verüben und ihre (paramilitärischen) Organisationsstrukturen weiter ausbauen. Der griechische Staat ist weit entfernt davon gegen die Neo-Faschisten vorzugehen; er weiß, was er in einer sich zuspitzenden Krise von ihnen hat.

Doch es regt sich auch gegen diesen Versuch, dissidente Politik zu kriminalisieren, Widerstand: Nach einer Versammlung am 13.04. vereinbarten die betroffenen Kollektive, zu einer Aktionswoche zwischen 15. und 21.04. aufzurufen. Seit dem 15.04. liefen mehrere Solidaritäts-Aktionen, unter anderem wurden Gebäude der polytechnischen Universität besetzt und die Sender nahmen ihre Aktivität wieder auf. Der Staat reagierte daraufhin mit der Abschaltung des gesamten Internets an der Universität. Inzwischen ist Indymedia Athen mit einer provisorischen Seite wieder online.

Weitere Infos und Newsticker zur Aktionswoche finden sich auf:

- Occupied London (Englisch)

- Eagainst.com (Englisch)

- ContraInfo (Deutsch)

Der Kampf geht weiter…

Nachfolgend ein kleiner Überblick über einige antifaschistische Aktionen in der letzten Woche:

Chania 02.04.
Die örtlichen Faschisten von Chysi Avgi tätigten, nachdem sie sich in einem Cafe betrunken hatten, einen gewalttätigen Übergriff auf zwei ImmigrantInnen in den Straßen und zogen marodierend in Richtung Hafen. Dort stießen sie mit einer Gruppe AnarchistInnen zusammen. Im Handgemenge flog der lokale Spitzenkandidat von Chysi Avgi Stelios Vlamakis in den Hafen, zwei seiner Mitstreiter kamen ins Krankenhaus. Die GenossInnen konnten noch vor Eintreffen der Polizei entkommen.

Athen 06.04.
In Patisia, einem Viertel mit hohem Migrationsanteil in Athen, hat eine lokale Antifa-Gruppe zu einer antifaschistischen Demonstration aufgerufen. Insgesamt gingen laut VeranstalterInnen 1000 Menschen auf die Straße.

Zakynthos 06.04.
Ein Chrysi Avgi Parlamentarier besuchte eine lokale Sektion der neofaschistischen Partei auf der Insel Zykanthos, um einer Verteilaktion von Waren ,,nur für Griechen'‘ beizuwohnen. Örtliche AntifaschistInnen organisierten eine Gegenkundgebung in deren Verlauf es zu Ausschreitungen zwischen Neo-Faschisten und Polizei einerseits und AntifaschistInnen andererseits kam; es wurden 3 GenossInnen verletzt. Ein Video zur Gegendemonstration findet sich hier.

Xanthi 06.04.
In Xanthi, einer Kleinstadt in Nordgriechenland, riefen antifaschistische Netzwerke zu einer Demonstration auf, an der sich 2500 Menschen, darunter viele SchülerInnen und ArbeiterInnen, beteiligten. Anlass war ein gewalttätiger Übergriff auf ein Mitglied der örtlichen muslimischen Gemeinde durch die faschistischen Schläger von Chrysi Avgi. Ein Video zur Demonstration findet sich hier.

Athen 06.04.
Im Stadtteil Drapetsona organisierten AntifaschistInnen eine Demonstration gegen eine Polizeiwache, in der es in der Vergangenheit immer wieder zu Folterungen gekommen war. Bilder finden sich hier.

Thasos 07.04.
Auf der Insel Thasos versuchte Chrysi Avgi eine weitere Verteilaktion von Waren ,,nur für Griechen'‘ durchzuführen. AntifaschistInnen kündigten Gegenproteste an. Die Faschisten tauchten daraufhin nicht auf. Die aktion fand trotzdem statt. Ein Video gibt es hier.

Amygdaleza 08.04.
Am Montag sind 2000 ImmigrantInnen, die im Internierungslager Amygdalezas gefangen sind, in den Hungerstreik getreten. Am darauffolgenden Tag verschafften Aufstandsbekämpfungseinheiten der Polizei gewaltsam Zutritt in das Lager, deckten es mit Tränengas ein und verprügelten die streikenden Menschen. 47 Menschen aus Afghanistan wurden verhaftet und in reguläre Gefängnisse gebracht.

Patras 08.04.
Vor einer Kneipe kam es zu gewalttätigen Übergriffen mit Einsatz von Steinen und Stöcken von Anhängern Chrysi Avgis gegenüber AntifaschistInnen. Die GenossInnen zogen sich in das örtliche Squat Maragopoulio zurück. Die Faschisten versuchten daraufhin einzudringen und bewarfen die GenossInnen mit Gegenständen. In der Zwischenzeit rückte die Polizei an, die jedoch, wenig überraschend, den Faschisten Schutz und Rückzugsmöglichkeiten bot. Parallel dazu kam es zu zwei Spontandemonstrationen von ca. 200 GenossInnen, so dass sich die Faschisten und Polizeieinheiten nach mehreren Stunden Belagerung zurückziehen mussten. Videos zu der Situation finden sich hier und hier

Für die soziale Revolte!


Autonome Gruppen aus Kiel und Hamburg rufen am 27.04. mit folgendem Aufruf zu einer Solidaritäts-Demonstration mit den griechischen GenossInnen auf:

Für eine herrschaftsfreie Perspektive!
Woran denken wir, wenn wir nach Griechenland blicken? Denken wir dabei an Zahlen, die ständig in den Medien kursieren, wie z.B. 49 Millionen Euro, den aktuellen Kredit, der von EU-Kommission, IWF und EZB vergeben wurde, an Schlaglichter wie Schuldenrückkauf, Steuerreform oder Spardiktat? Oder lassen wir uns von diesen Zahlenspielen und dem alleinigen Fokus auf die wirtschaftliche Situation den Blick vernebeln? Werfen wir einen Blick auf die Situation in Griechenland: Seit Anfang 2010, also dem Beginn des Spardiktats der Troika, sind die realen Löhne innerhalb eines Jahres um 31 % gesunken, die Arbeitslosenrate stieg bis März 2012 auf ca. 23 %. Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung haben nur zwei Drittel der Bevölkerung.
(weiter…)

Kommt vorbei, zeigt euch solidarisch!
Samstag, 27.04.2013 | Rote Flora | Hamburg | 15:00 Uhr