Die Krise des globalen Kapitalismus treibt seit 2008 reihenweise und systematisch Gesellschaften in den Ruin: Nachdem zunächst lediglich Einzelsektoren von ihrer Dynamik erfasst wurden, stehen nun ganze Staaten mit dem Rücken zur Wand. Eine Troika aus Europäischer Komission, Internationaler Währungsfond und Europäischer Zentralbank verwaltet das hierdurch entstandene Elend in den besonders betroffenen Staaten im Süden Europas. Hatte der ,,Exportweltmeister'‘ Deutschland bereits Jahre zuvor auf Kosten dieser Länder gewirtschaftet und in einem Abhängigkeitsverhältnis gehalten, wird deren Souveränität nun in der Krise durch verschärfte Sparmaßnahmen (Austeritätspolitik) zusätzlich untergraben.

Die Austeritätsmaßnahmen der Troika in Griechenland haben dafür gesorgt, dass der griechische Staat umfassend soziale Sicherungssysteme abbaut und zur selben Zeit immense Steuererhöhungen durchführt. Während die öffentliche Gesundheitsversorgung zusammenbricht, Massenentlassungen durchgesetzt, Gehälter gesenkt werden, steigen im Zuge der globalen Krise die Lebensmittelpreise in unbezahlbare Höhen. Für die griechische Bevölkerung wird dieser Zustand zunehmend unzumutbarer.

Der Kampf um die Straße
In dieser Situation nehmen neo-faschistische Tendenzen in der Gesellschaft zu. Während Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) vor wenigen Jahren noch ein Schattendasein als sektiererische Kleinstpartei fristete, feierte eben jene neo-faschistische Gruppe 2012 den Einzug in das griechische Parlament mit sieben Prozent. Derzeit werden sie in Umfragen mit 16 bis 18 Prozent gehandelt. Parallel wüten Anhänger und Mitglieder der Partei auf den Straßen: Tagtäglich werden Schwarze, Illegalisierte oder anderweitig als ,,ungriechisch'‘ empfundene Menschen verfolgt, zusammengeschlagen und umgebracht. Auch am helllichten Tag finden Angriffe auf öffentlichen Plätzen statt. Organisierte Aufmärsche sollen die griechischen Städte von illegalisierten Menschen ,,säubern'‘. Die Faschisten legitimieren dies mit einem angeblichen Versagen der Polizei, weswegen das staatliche Gewaltmonopol in die ,,eigene Hand'‘ genommen werden müsse. Ergänzt wird diese brutalisierte Situation auf den Straßen durch Kampagnen der Chrysi Avgi wie der griechischen ,,Blutbank'‘ unter dem Motto ,,griechisches Blut nur für Griechen'‘.

Staat und Nazis: Hand in Hand…
Der Staat reagiert ambivalent auf diese Situation. Einerseits gibt es Tendenzen, die Forderungen der Neo-Faschisten in Regierungshandeln umzumünzen, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen:, Dies mündete u.a. in der Umsetzung der Operation ,,Gastfreundlicher Zeus'‘ (Xenios Zeus), die zur massenhaften Internierung illegalisierter oder mutmaßlich illegalisierter Menschen in für sie eingerichtete Lager führte. Über die Zustände in diesen Lagern ist nach wie vor keine Information verfügbar. Andererseits freundet sich ein größer werdender Teil mit dem Gedanken an, dass es in Kooperation mit den Neofaschisten zu einer radikal autoritären Umgestaltung der Gesellschaft kommt. Die Sicherheitsapperate des Staates spielen offensichtlich mit dem neo-faschistischen Mob zusammen. Neben personellen Überschneidungen, findet die neo-faschistische Partei Chrysi Avgi bei der Polizei, gerade bei den Aufstandsbekämpfungseinheiten zunehmend Anklang: In der vergangenen Wahl wählten mehr als 50 Prozent der registrierten Polizeibeamten faschistisch.

…und die Linke?
Angesichts der anhaltenden Krise und deren ungewisser Fortgang erscheint ein solches Szenario in ähnlicher Weise für andere Länder denkbar. In Anbetracht der Tatsache, dass die Linke europaweit geschwächt ist und neofaschistische und neokonservative Gruppen zunehmend zu gesellschaftlicher Relevanz kommen, erscheint die Ausformulierung einer linken gesellschaftlichen Alternative unerlässlich. Es ist jetzt an der Zeit, die internationale Dimension der neo-faschistischen Gefahr zu begreifen und Perspektiven zu einem internationalistischen Antifaschismus wieder auf die Agenda zu setzen.

-Solidarität mit dem antifaschistischen Kampf in Griechenland-

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Since 2008 the crisis of global capitalism is systemically leading series of societies to bankruptcy. Where at first it were only single sectors which were driven by this dynamic it is now whole states standing back against the wall. The Troika of European Commission, International Monetary Fund and European Central Bank administrates the misery in the states of southern Europe struck worse by the crisis. As the „World-champion of export“ – Germany – had already kept these countries depending and kept house on their expenses, now their sovereignty is further holed out by the austerity-measures.

The austerity-measures of the Troika in Greece forced the Greek state to widespread cutbacks in the social system while simultaneously immense tax increases were enforced. Meanwhile the public health system is breaking down, mass layoffs are executed, wages are cut as at once food prices are raising in unaffordable heights in the course of the crisis. The situation is getting increasingly unacceptable for the Greek people.

The fight for the streets
In this situation neo-fascist tendencies grow in the society. As few years ago Chrysi Avgi (Golden Dawn) lived only a shadowy existence as a sectarian micro-party this neo-fascist group celebrated the entry into the Greek parliament with seven percent. In recent polls they are seen around 16 till 18 percent. Simultaneous members and supporters of the party rage on the streets. Every day people of color, illegalized or otherwise as „ungreek“ perceived people are being persecuted, beaten or murdered. Even in broad daylight attacks are happening on public places. Organized marches are supposed to rid the Greek cities from the illegalized people. Legitimized is this by the fascists with the so called failure of police which is why the governments monopoly of power has had to be taken into one’s own hand. This brutalized situation on the streets is complemented by campaigns of Chrysi Avgi as the likes of „blood preservation“ with the slogan „Greek blood only for Greek people“.

State and Nazis: hand in hand
The state is responding ambivalently in this situation. On the one hand side there are tendencies to integrate the demands of neo-fascists into government strategies to fight their influence. This ended partly in the realization of the operation „hospital Zeus“ (Xenios Zeus) which let to mass internment of illegalized or presumably illegalized people in camps especially constructed for them. Still now there is no information on the conditions in these camps. On the other hand side a growing part agrees with the thought of a radical authoritarian reformation of society in cooperation with the neo-fascists. The states executive branch is obvioulsy working together with the neo-fascist mob. In addition to personal similarities the neo-fascist party Chrysi Avni is supported by the police, especially the counterinsurgency squat: during the last election more than 50 percent of the registered policemen voted Fascists.

… and the left?
In the light of the ongoing crisis and its unpredictable continuation a similar scenario seems possible in other countries. In consideration of the weakened left in Europe and the increasing significance of neo-fascist and neo-conservative groups the definition of a leftist alternative society is vital. Now is the time to grasp the international dimension of the neo-fascist threat and to reformulate perspectives for an international anti-fascism.

-Solidarity with the antifascist struggle in Greece-